Länder-Ratgeber
Lebenslauf für die Schweiz: Aufbau, Foto und das Bewerbungsdossier
In der Schweiz ist der Lebenslauf Teil eines Dossiers: Begleitbrief, tabellarischer Lebenslauf und Kopien Ihrer Arbeitszeugnisse und Diplome. Dieser Ratgeber zeigt, was das SECO empfiehlt, wo die Schweiz von deutschen Gepflogenheiten abweicht und was bei einer Bewerbung aus dem Ausland gilt.
Wie sieht ein Lebenslauf in der Schweiz aus?
Ein Schweizer Lebenslauf ist tabellarisch und höchstens zwei A4-Seiten lang. Das Wichtigste steht im ersten Drittel, das Neueste zuerst, die Zeitangaben links in Monat und Jahr. Üblich sind ein Foto und Personalien wie Geburtsdatum und Zivilstand. Dazu gehören ein Begleitbrief von einer Seite und Kopien sämtlicher Arbeitszeugnisse und Diplome, denen Schweizer Arbeitgeber grosse Bedeutung beimessen.[1][2]
Der Schweizer Lebenslauf auf einen Blick
| Thema | Üblich in der Schweiz |
|---|---|
| Umfang | Nicht mehr als zwei A4-Seiten; sachlich, präzise und vollständig. |
| Form | Tabellarisch, am PC erstellt; das Wichtigste im ersten Drittel. |
| Zeitangaben | Links, Monat und Jahr ohne Tage, zum Beispiel 05.2021 – 11.2023. |
| Personalien | Name, Adresse, Telefon, E-Mail, Geburtsdatum, Zivilstand, Kinder; Heimatort freiwillig. |
| Foto | Üblich: Lebenslauf mit Foto gehört auch zur ersten E-Mail-Bewerbung. |
| Sprache | Die Sprache des Inserats und der Region: Deutsch, Französisch oder Italienisch. |
| Begleitbrief | Eine A4-Seite muss reichen. |
| Zeugnisse | Kopien sämtlicher Arbeitszeugnisse, nicht beglaubigt. |
| Referenzen | Nicht im Lebenslauf, sondern auf Verlangen nachreichen. |
Was in der Schweiz anders ist als in Deutschland
Tabellarischer Aufbau, absteigende Reihenfolge und höchstens zwei Seiten gelten in beiden Ländern; die Grundlagen erklärt der Ratgeber Lebenslauf schreiben. Ein Vergleich der SECO-Broschüre mit dem Bewerbungskompass der deutschen Arbeitsagentur zeigt die Unterschiede:
| Thema | Deutschland (Arbeitsagentur) | Schweiz (SECO) |
|---|---|---|
| Personalien | Geburtsdatum und -ort, Staatsangehörigkeit, Familienstand | Geburtsdatum, Zivilstand, Kinder (Anzahl und Jahrgang), Heimatort freiwillig |
| Weiterbildungen | Chronologisch mit Monat und Jahr | Thematisch gruppiert, nicht chronologisch |
| Referenzen | Nicht Teil der beschriebenen Unterlagen | Nicht im Lebenslauf; auf Verlangen die letzten zwei Arbeitgeber nennen |
| Datumsformat | Monats- und Jahresangaben, etwa 04/2022 | Monat und Jahr mit Punkt, etwa 05.2021 |
Die Tabelle gibt Empfehlungen der beiden Arbeitsverwaltungen wieder, keine gesetzlichen Pflichten.
Foto, Personalien und Datenschutz
Die Schweizer Praxis ist traditioneller als in vielen anderen Ländern. Die SECO-Broschüre zählt zu den Personalien Geburtsdatum, Zivilstand sowie Anzahl und Jahrgang der Kinder; EURES nennt zusätzlich die Nationalität. Für die erste Kontaktaufnahme per E-Mail genügen laut SECO ein Lebenslauf mit Foto und allenfalls ein Begleitschreiben. Hinweise zu Format und Wirkung des Bildes finden Sie im Ratgeber Bewerbungsfoto.
Das Gesetz setzt dem Umgang mit diesen Angaben Grenzen. Nach Art. 328b des Obligationenrechts darf der Arbeitgeber Daten über Arbeitnehmende nur bearbeiten, soweit sie deren Eignung für das Arbeitsverhältnis betreffen oder zur Durchführung des Arbeitsvertrages erforderlich sind. Das Gleichstellungsgesetz verbietet eine Benachteiligung aufgrund des Geschlechts, namentlich unter Berufung auf Zivilstand, familiäre Situation oder Schwangerschaft, und zwar ausdrücklich auch bei der Anstellung.[1][2][3][4]
Muster: Lebenslauf für die Schweiz
Ein kompakter Aufbau mit Platzhaltern für die Deutschschweiz. In der Romandie oder im Tessin schreiben Sie dieselbe Struktur auf Französisch oder Italienisch.
Personalien
[Vorname Nachname]
Musterstrasse 1, 3000 Bern
Mobile: +41 79 xxx xx xx
E-Mail: ihr-name@example.com
Geburtsdatum · Zivilstand · Nationalität und Bewilligung, falls vorhanden
Berufliche Tätigkeiten
08.2021 – heute · Logistikfachfrau, [Firma A] AG, Bern
· Verantwortlich für Wareneingang und Inventur eines Aussenlagers
08.2018 – 07.2021 · Lehre als Logistikerin EFZ, [Lehrbetrieb], Thun
Weiterbildung
Staplerausweis · Kurs Lagerbewirtschaftung, [Anbieter]
Sprachen
Deutsch (Muttersprache), Französisch (B1), Englisch (B1)
Beispiel mit Platzhaltern, keine echte Person
Alle Angaben sind Platzhalter. Abschlüsse wie EFZ oder EBA nennen Sie ausdrücklich: Ist kein Abschluss vermerkt, kann das laut SECO als nicht bestandene Prüfung gelesen werden.
Bewerbungsdossier und Arbeitszeugnis
Ein vollständiges Dossier enthält laut SECO immer den Begleitbrief, den tabellarischen Lebenslauf, Kopien sämtlicher Arbeitszeugnisse, eine Kopie des Berufs- oder Studienabschlusses und Kopien von Diplomen und Weiterbildungszeugnissen. Leumundszeugnis, Strafregisterauszug oder eine Handschriftenprobe legen Sie nur auf Verlangen bei. Den Begleitbrief gestalten Sie im Design Ihres Lebenslaufs mit dem Anschreiben-Editor.
Das Arbeitszeugnis hat in der Schweiz grosses Gewicht. Nach Art. 330a OR können Arbeitnehmende jederzeit ein Zeugnis verlangen, das sich über Art und Dauer des Arbeitsverhältnisses sowie über Leistungen und Verhalten ausspricht; auf besonderes Verlangen beschränkt es sich auf Art und Dauer. Das SECO rät, beim Austritt immer ein Zeugnis oder mindestens eine Arbeitsbestätigung zu verlangen und Funktionsbezeichnungen und Daten im Lebenslauf aus den Zeugnissen zu übernehmen.
Für die E-Mail-Bewerbung empfiehlt das SECO PDF-Anhänge. Senden Sie alle Unterlagen, fassen Sie sie in einem Dokument von höchstens fünf Seiten und 2 MB zusammen.[1][3]
Wo Sie in der Schweiz Stellen finden
EURES verweist Stellensuchende auf den Job-Room der öffentlichen Arbeitsvermittlung. Wer in der Schweiz wohnt, kann sich kostenlos beim regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) anmelden; private Stellenvermittlungen sind für Stellensuchende in der Regel kostenlos. Private Portale wie jobs.ch und jobup.ch führen ebenfalls viele Stellen.[2]
In fünf Schritten zum Lebenslauf für die Schweiz
- 01
Sprache und Inserat klären
Schreiben Sie in der Sprache des Stelleninserats. Die Anpassung an die Stellenanzeige zeigt, welche Begriffe aus dem Inserat noch fehlen.
- 02
Tabelle aufbauen
Zeitangaben links in Monat und Jahr, das Neueste zuerst, das Wichtigste im ersten Drittel, höchstens zwei A4-Seiten.
- 03
Personalien vollständig angeben
Kontaktdaten, Geburtsdatum und Zivilstand; als ausländische Person auch Nationalität und eine allfällige Bewilligung.
- 04
Mit den Zeugnissen abgleichen
Funktionen und Daten aus den Arbeitszeugnissen übernehmen, damit Lebenslauf und Dossier übereinstimmen.
- 05
Prüfen und senden
Mit dem kostenlosen Lebenslauf-Check prüfen und das Dossier als PDF von einer seriösen E-Mail-Adresse senden.
Vorlagen für Bewerbungen in der Schweiz
Diese Vorlagen haben eine klare Zeitspalte und einen Platz für Ihr Foto. Einen Überblick gibt die Seite Lebenslauf Vorlage.

European
Passfoto oben und fette Abschnittsbeschriftungen, nah am traditionellen Schweizer Lebenslauf.

Profile
Rundes Porträt neben dem Namen, ein moderner Auftritt für jüngere Unternehmen.

Sidebar
Sprachen und EDV-Kenntnisse in einer Seitenspalte, praktisch bei mehrsprachigen Stellen.
Bewerbung aus dem Ausland: Sprachregionen, Anerkennung und Bewilligung
Die Schweiz hat vier Landessprachen. Deutsch ist am weitesten verbreitet, Französisch ist die Hauptsprache der Romandie, Italienisch die des Tessins und von Teilen Graubündens, Rätoromanisch wird in Teilen Graubündens gesprochen. Bern, Freiburg, Wallis, Graubünden und die Stadt Biel/Bienne sind offiziell mehrsprachig. Lesen Sie deshalb jedes Inserat auf die verlangte Sprache hin; eine zweite Sprachfassung erstellt die Übersetzung des Lebenslaufs im selben Layout.
Für bestimmte Berufe ist eine Anerkennung ausländischer Qualifikationen nötig, zuständig sind je nach Abschluss verschiedene Stellen. EURES rät zudem, anzugeben, welchem Schweizer Abschluss Ihr Diplom entspricht.
Ausländische Arbeitskräfte brauchen eine Aufenthaltsbewilligung, die Bewilligungen erteilen die Kantone. EU- und EFTA-Staatsangehörige haben dank dem Freizügigkeitsabkommen einen erleichterten Zugang; aus anderen Staaten wird nur eine begrenzte Zahl von Arbeitskräften zugelassen, vor allem Führungskräfte, Spezialistinnen und Spezialisten und andere qualifizierte Arbeitskräfte. Die aktuellen Regeln nennt das Staatssekretariat für Migration.[2][6][7][8][9]
Typische Fehler beim Lebenslauf für die Schweiz
- Funktionen oder Daten, die nicht mit den Arbeitszeugnissen übereinstimmen.
- Lücken im Dossier, weil beim Austritt kein Zeugnis verlangt wurde.
- Referenzpersonen mit Telefonnummer im Lebenslauf statt auf Verlangen.
- Ein Abschluss ohne Vermerk, ob er bestanden wurde.
- Eine Massen-E-Mail an viele Firmen statt einer eigenen Bewerbung pro Stelle.
Häufige Fragen
- Gehört in der Schweiz ein Foto in den Lebenslauf?
- In der Regel ja. EURES beschreibt die übliche Bewerbung in der Schweiz als Begleitbrief und Lebenslauf mit Foto, und das SECO nennt einen Lebenslauf mit Foto als Mindestumfang einer ersten E-Mail-Bewerbung. Verwenden Sie ein aktuelles, professionelles Bild. Haben Sie keines, erstellt das KI-Bewerbungsfoto Porträts aus Ihren eigenen Selfies.
- Was ist ein Arbeitszeugnis und wann bekomme ich es?
- Ein Arbeitszeugnis ist eine schriftliche Beurteilung durch den Arbeitgeber. Nach Art. 330a OR können Sie es jederzeit verlangen, nicht erst beim Austritt. Es äussert sich über Art und Dauer der Stelle sowie über Leistung und Verhalten; auf Ihren Wunsch beschränkt es sich auf Art und Dauer. Legen Sie Kopien sämtlicher Zeugnisse bei, damit Ihr Werdegang lückenlos belegt ist.
- Schreibe ich Referenzen in den Lebenslauf?
- Nein. Laut SECO gehören Referenzangaben nicht in den Lebenslauf, sondern werden auf Verlangen nachgereicht oder zum Vorstellungsgespräch mitgebracht. Verlangt ein Inserat Referenzen, verweisen Sie im Begleitbrief darauf. Nennen Sie die letzten zwei Arbeitgeber; waren Sie lange beim selben Arbeitgeber, ergänzen Sie ausserberufliche Referenzpersonen wie Kunden oder Geschäftspartner.
- Kann ich meinen deutschen Lebenslauf in der Schweiz verwenden?
- Mit Anpassungen. Ergänzen Sie die Personalien um Zivilstand und gegebenenfalls Kinder, gruppieren Sie Weiterbildungen thematisch, nehmen Sie Referenzen aus dem Lebenslauf heraus und legen Sie sämtliche Arbeitszeugnisse bei. Schreiben Sie ausserdem in Schweizer Rechtschreibung mit ss statt ß. Für eine Stelle in Österreich lesen Sie den Ratgeber Lebenslauf Österreich.
- Brauche ich als EU-Bürger eine Bewilligung, um in der Schweiz zu arbeiten?
- Ausländische Arbeitskräfte brauchen grundsätzlich eine Aufenthaltsbewilligung, die vom zuständigen Kanton erteilt wird. EU- und EFTA-Staatsangehörige haben dank dem Freizügigkeitsabkommen einen erleichterten Zugang zum Arbeitsmarkt. Die genauen Voraussetzungen hängen vom Grund Ihres Aufenthalts ab; massgeblich sind die Angaben des Staatssekretariats für Migration und der kantonalen Behörden.
Quellen
Aussagen zu Regeln und Empfehlungen stützen sich auf diese Seiten. Wir haben jede Quelle selbst aufgerufen und gelesen.
- [1]Wie bewerbe ich mich richtig? Praktische Tipps (PDF) · SECO, Arbeitsmarkt / Arbeitslosenversicherung (arbeit.swiss)www.arbeit.swiss/api/media/fileservice/sdweb-docs-prod-arbeitswiss-files/files/2026/06/03/06ed7935-ac82-4aa8-a2a6-29ae54ce9f2f.pdf ·
- [2]Living and working conditions: Switzerland · Europäische Kommission, EURESeures.europa.eu/living-and-working/living-and-working-conditions/living-and-working-conditions-switzerland_en ·
- [3]Obligationenrecht, Art. 328b und Art. 330a · Schweizerische Eidgenossenschaft, Fedlexwww.fedlex.admin.ch/eli/cc/27/317_321_377/de ·
- [4]Gleichstellungsgesetz, Art. 3 · Schweizerische Eidgenossenschaft, Fedlexwww.fedlex.admin.ch/eli/cc/1996/1498_1498_1498/de ·
- [5]Bewerbungskompass für Arbeitsstellen (PDF) · Agentur für Arbeit (Deutschland)www.arbeitsagentur.de/vor-ort/datei/bewerbungskompass-arbeit_ba093152.pdf ·
- [6]Working in Switzerland · Staatssekretariat für Migration (SEM)www.sem.admin.ch/sem/en/home/themen/arbeit.html ·
- [7]Living and working in Switzerland: EU/EFTA citizens · Staatssekretariat für Migration (SEM)www.sem.admin.ch/sem/en/home/themen/fza_schweiz-eu-efta/eu-efta_buerger_schweiz.html ·
- [8]Recognition of professional qualifications · Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI)www.sbfi.admin.ch/sbfi/en/home/education/recognition-of-foreign-qualifications.html ·
- [9]Language · Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten, aboutswitzerlandwww.aboutswitzerland.eda.admin.ch/en/language ·
Weiterlesen
Bewerbung in der Schweiz? Prüfen Sie zuerst Ihren Lebenslauf
Der kostenlose Check zeigt, was an Aufbau, Datumsangaben, Kontaktdaten und Länge noch verbessert werden kann, bevor Sie Ihr Dossier senden.